Was passiert mit einem Elektrofahrzeug, wenn nach einem Unfall, einer Panne oder einem technischen Defekt nicht sicher ausgeschlossen werden kann, dass die Hochvoltbatterie beschädigt wurde? Für Werkstätten und Autohäuser beginnt dann eine wichtige Phase: Das Fahrzeug muss kontrolliert abgestellt, beobachtet und bis zur weiteren Beurteilung von anderen Fahrzeugen und Betriebsbereichen getrennt werden.
Denn mechanische, elektrische oder thermische Belastungen können bei Lithium-Ionen-Zellen zu einem sogenannten Thermal Runaway führen. Dabei wird die gespeicherte Energie einer Zelle innerhalb kurzer Zeit unkontrolliert in einer thermischen Reaktion freigesetzt. Werden benachbarte Zellen ebenfalls erfasst, spricht man von einer thermischen Propagation. Die DGUV weist zudem darauf hin, dass dabei toxische und brennbare Stoffe freigesetzt werden können.
Für Werkstatt- und Serviceleiter stellt sich deshalb eine ganz praktische Frage: Wie lässt sich ein auffälliges oder bereits gelöschtes Elektrofahrzeug sicher in den betrieblichen Ablauf integrieren?
Eine mobile Lösung dafür bietet das Recover-E-Bag Werkstatt-Set inklusive Unterbodensprinkler.
Warum ein Havariekonzept für Elektrofahrzeuge wichtig ist
Eine potenziell beschädigte Hochvoltbatterie lässt sich nicht immer allein anhand äußerer Fahrzeugschäden zuverlässig beurteilen. Das vfdb-Merkblatt 06-10 nennt beispielsweise starke Beschädigungen im Bereich der Batterie, Unterbodenschäden, auffällige Temperaturen, austretende Flüssigkeiten, Rauch oder ungewöhnlichen Geruch als mögliche Hinweise auf ein erhöhtes Risiko. Auch eine zeitlich verzögerte Entzündung wird ausdrücklich als möglich beschrieben.
Aus diesem Grund empfiehlt das Merkblatt die Einrichtung einer Technischen Quarantänefläche für Fahrzeuge mit potenziell beschädigter Lithium-Ionen-Batterie. Ihr Zweck besteht nicht darin, einen möglichen Brand zu verhindern, sondern insbesondere darin, eine Brandausbreitung auf andere Fahrzeuge, Gebäude oder weitere Objekte zu vermeiden und gleichzeitig Umweltrisiken zu reduzieren.
Für Werkstätten bedeutet dies: Ein beschädigtes Elektrofahrzeug sollte nicht einfach auf einem beliebigen freien Stellplatz oder dauerhaft innerhalb der Werkstatthalle abgestellt werden. Vielmehr ist ein vorab definiertes Vorgehen erforderlich.
Technische Quarantänefläche: Mehr als nur ein freier Stellplatz
Das vfdb-Merkblatt empfiehlt für eine Technische Quarantänefläche unter anderem einen Standort im Freien sowie einen nicht brennbaren und möglichst versiegelten Untergrund. Ohne zusätzliche Brandschutzmaßnahmen wird außerdem ein Abstand von mindestens fünf Metern zu brennbaren Gegenständen beziehungsweise weiteren Fahrzeugen empfohlen. Je nach Betrieb können zusätzliche Anforderungen durch Behörden, Bauvorschriften, Fahrzeughersteller oder Sachversicherer hinzukommen.
Der Recover-E-Bag ist deshalb nicht als Ersatz für sämtliche Anforderungen an eine Technische Quarantänefläche zu verstehen. Vielmehr kann er als mobiler Bestandteil eines betrieblichen Havarie- und Sicherheitskonzeptes eingesetzt werden – insbesondere dort, wo zusätzlich eine kontrollierte Rückhaltung von Flüssigkeiten beziehungsweise Löschwasser erforderlich ist.
Genau diese klare Abgrenzung ist wichtig: Ein Sicherheitssystem allein ersetzt weder eine Gefährdungsbeurteilung noch die organisatorischen und baulichen Anforderungen des jeweiligen Betriebs.
Recover-E-Bag: mobiler Havarieplatz mit Löschwasserrückhaltung
Der Recover-E-Bag wurde speziell für kritisch eingestufte Fahrzeuge mit Lithium-Ionen-Traktionsbatterien entwickelt. Laut Herstellerinformation kann das Fahrzeug auf dem ausgebreiteten System positioniert werden und dort während der weiteren Überwachung beziehungsweise bis zur weiteren Beurteilung oder zum Abtransport verbleiben.
Mit Abmessungen von 520 × 230 × 90 cm ist das System für nahezu alle gängigen Pkw-Größen ausgelegt. Das Recover-E-Bag besteht aus einem beidseitig beschichteten 680 g/m² POLYMAR® PVC-Gewebe und wiegt rund 20,5 kg. Farblich gekennzeichnete Spanngurte erleichtern die Zuordnung beim Aufbau. Zum Werkstatt-Set gehören darüber hinaus vier Antirutschmatten, eine Transportbox für das Zubehör, ein Transportsack sowie der Unterbodensprinkler.
Für den langfristigen Werkstatteinsatz interessant: Bei sachgerechter Lagerung wird eine Lagerfähigkeit von bis zu zehn Jahren beziehungsweise bis zur Ablegereife angegeben. Einzelne Komponenten lassen sich bei Bedarf nachbestellen.
Löschwasser kontrolliert zurückhalten
Ein wichtiger Aspekt beim Umgang mit einem Brandereignis an einem Elektrofahrzeug ist das anfallende Lösch- und Kühlwasser.
Die aktuelle DGUV Information 205-022 unterscheidet hierbei unter anderem zwischen fließendem Lösch- beziehungsweise Kühlwasser und Wasser aus Behälterlösungen. Im Löschwasser können beispielsweise ausgewaschene Brandfolgeprodukte sowie Metalle aus Batteriezellen auftreten. Die DGUV weist deshalb darauf hin, dass – ebenso wie bei Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb – eine mögliche Kontamination berücksichtigt und gegebenenfalls die zuständige Fachbehörde einbezogen werden muss.
An diesem Punkt bietet der Recover-E-Bag einen konkreten praktischen Nutzen: Bei intakter Hülle kann das im System anfallende Löschwasser zurückgehalten werden. Hier für wird eine Rückhaltung von bis zu 72 Stunden bei intakter Hülle angegeben.
Damit lässt sich verhindern, dass Flüssigkeit unmittelbar und unkontrolliert über die Betriebsfläche beziehungsweise in die Entwässerung abläuft. Anschließend muss selbstverständlich ein geeigneter weiterer Umgang mit dem aufgefangenen Wasser entsprechend der jeweiligen Situation und den geltenden Vorgaben erfolgen.
Gerade für Autohäuser und größere Servicebetriebe ist diese Funktion relevant: Sicherheitskonzepte für Elektrofahrzeuge betreffen nicht nur den Brandschutz, sondern ebenso den Schutz von Betriebsflächen und Umwelt.
Welche Aufgabe übernimmt der Unterbodensprinkler?
Ein weiterer Bestandteil des Werkstatt-Sets ist der Unterbodensprinkler zur Bewässerung des Fahrzeugs. Seine Positionierung unterhalb des Fahrzeugs ist insbesondere vor dem Hintergrund relevant, dass Hochvoltspeicher bei vielen Elektrofahrzeugen großflächig im Fahrzeugboden angeordnet sind.
Dabei muss allerdings klar zwischen technischer Ausstattung und Brandbekämpfung unterschieden werden.
Die aktuelle DGUV Information 205-022 zeigt, dass ein Brand innerhalb eines Hochvoltspeichers eine besondere Herausforderung darstellt. Die Kühlwirkung von Wasser spielt bei entsprechenden Einsatzmaßnahmen eine wesentliche Rolle; gleichzeitig hängt die konkrete Einsatztaktik von der jeweiligen Schadenlage ab.
Der Unterbodensprinkler sollte deshalb nicht als eigenständiges Löschsystem für die Werkstatt verstanden werden. Kommt es zu Rauchentwicklung, einem erneuten Brand oder anderen Anzeichen einer kritischen Batterieentwicklung, gehören die weiteren Maßnahmen in die Hände der Feuerwehr. Die endgültige Fixierung des Fahrzeugs sowie eine mögliche Flutung entsprechend der Lagebeurteilung erfolgen laut des Einsatzleiters.
Besonders wichtig ist zudem der Nutzungshinweis des Herstellers: Der Recover-E-Bag ist nur bei gelöschten Fahrzeugen zu verwenden und nicht zum Heben von Fahrzeugen geeignet.
Was Werkstatt- und Serviceleiter vorab festlegen sollten
Das beste technische Equipment hilft nur dann, wenn im Ereignisfall klar ist, wer was zu tun hat. Das vfdb-Merkblatt empfiehlt unter anderem organisatorische Maßnahmen, regelmäßige Unterweisungen und eine Überwachung von Fahrzeugen während der Quarantäne. Auch die DGUV betont beim betrieblichen Umgang mit Hochvoltspeichern die Bedeutung einer individuellen Gefährdungsbeurteilung und der jeweiligen Herstellervorgaben.
Für die betriebliche Praxis sollten daher insbesondere folgende Punkte vorab geklärt sein:
- Havarie- beziehungsweise Quarantänefläche festlegen: Wo kann ein auffälliges Fahrzeug mit ausreichendem Abstand und unter Berücksichtigung der örtlichen Anforderungen abgestellt werden?
- Verantwortlichkeiten definieren: Welche qualifizierten Mitarbeiter dürfen die Situation bewerten und welche internen Abläufe werden ausgelöst?
- Fahrzeugherstellerinformationen berücksichtigen: Rettungsdatenblätter sowie fahrzeugspezifische Vorgaben müssen in die Beurteilung einfließen.
- Überwachung und Alarmierung festlegen: Bei Temperaturanstieg, ungewöhnlichem Geruch, Rauch, Dämpfen oder austretenden Flüssigkeiten ist nach dem vfdb-Merkblatt die Feuerwehr umgehend zu alarmieren.
- Löschwasser und austretende Flüssigkeiten berücksichtigen: Rückhaltung, weitere Behandlung und gegebenenfalls die Abstimmung mit zuständigen Stellen sollten Teil des Havariekonzepts sein.
So wird aus einem einzelnen Produkt ein sinnvoller Bestandteil eines durchdachten betrieblichen Sicherheitskonzepts.
Fazit: Im Havariefall zählt die Vorbereitung
Mit der Elektromobilität verändern sich nicht nur Diagnose-, Reparatur- und Qualifikationsanforderungen in der Kfz-Werkstatt. Auch der Umgang mit beschädigten Fahrzeugen muss neu gedacht werden.
Ein Fahrzeug mit potenziell beeinträchtigter Hochvoltbatterie benötigt einen definierten Prozess – von der ersten Bewertung über die geeignete Abstellung und Überwachung bis hin zur Einbindung von Feuerwehr, Fahrzeughersteller oder weiteren Fachstellen.
Der Recover-E-Bag bietet hierfür eine mobile technische Lösung: Das Fahrzeug kann auf dem System kontrolliert abgestellt werden, während die robuste Auffangkonstruktion bei intakter Hülle gleichzeitig die Rückhaltung von Flüssigkeiten und Löschwasser ermöglicht. Dank kompakter Lagerung, farblich gekennzeichneter Gurte, umfangreichem Zubehör und dem im Werkstatt-Set enthaltenen Unterbodensprinkler lässt sich das System gezielt in das Havariekonzept einer professionellen Kfz-Werkstatt integrieren.
Denn entscheidend ist nicht erst die Reaktion, wenn eine Situation kritisch wird. Entscheidend ist, dass Stellplatz, Zuständigkeiten und Ausrüstung bereits vorher festgelegt sind.
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Fachliche Grundlage des Beitrags
Für Thermal Runaway, Gefährdungen und Lösch-/Kühlwasser ist die im Februar 2026 vollständig überarbeitete DGUV Information 205-022 „Sicherheit und Gesundheit bei Lösch- und Rettungsarbeiten an Kraftfahrzeugen mit Hochvoltspeicher“ die wichtigste Fachquelle. DGUV Information 205-022
Für die betriebliche Gefährdungsbeurteilung beim Umgang mit Hochvoltspeichern habe ich ergänzend die DGUV Fachbereich AKTUELL FBHM-124 „Umgang mit Hochvoltspeichern“, Ausgabe September 2024, herangezogen. DGUV FBHM-124
Die Aussagen zur Technischen Quarantänefläche, zu Abständen, Überwachung und organisatorischen Maßnahmen basieren auf dem vfdb Merkblatt 06-10 „Technische Quarantäneflächen für beschädigte Fahrzeuge mit Lithium-Ionen-Batterien“. Das Merkblatt ist unverbindlich und weist selbst darauf hin, dass im Einzelfall Hersteller-, Behörden- und Versicherervorgaben zu berücksichtigen sind. vfdb Merkblatt 06-10